Deutsche Vereinsmeisterschaft U12:

Achterbahnfahrt am zweiten Tag

Nach dem sensationellen Start vom Vortag hatten wir mit dem Hamburger SK das erwartet schwere los. Die Hansestädter sind der Topfavorit in unserer Altersklasse und sogar mit fünf Spielern vor Ort. Das machte die Vorbereitung natürlich schwer, aber zum Glück hatten wir den richtigen Riecher bei der Vorbereitung. Dennoch: Wir waren klarer Außenseiter, wie auch unser Jugendleiter Wolfgang Langer im Video zu Protokoll gab:

Bis zum Letzten gekämpft

Der Plan war gegen Hamburg relativ klar: Tillmann sollte am dritten Brett den vollen Punkt abliefern und die anderen ihre Partien lange offenhalten. Das mussten wir leider ziemlich schnell ad acta legen, denn Haos Gegner an Brett war deutlich zu stark. An den anderen Brettern standen wir aber mindestens auf Ausgleich, viel Hoffnung hatten wir bei Tillmann: Sein Gegner hatte einen Isolani, den "Tilli" nun belagert. An Brett 2 sah bei Matteo also in Ordnung aus, bis er leider einen Bauern verlor. Da wurde es langsam kritisch, aber ein Remis war weiterhin drin. Bei Maxi an Brett 1 war völliger Ausgleich angesagt. Der Plan war nun also: Tillmann gewinnt, Matteo und Maxi halten Remis. Und es sah richtig gut aus, denn Tillmann gewann seine Partie! 1-1 also. Wie fast immer waren wir die letzten, die im Turniersaal noch spielten. Und in ganz neue Sphären ging es für uns, als Matteo den Bauern zurückgewann und richtig gut stand. Würde uns der absolute Überraschungserfolg gelingen?!
Matteo drehte richtig auf und hatte auf einmal zwei Bauern mehr im Turmendspiel. Maxis Gegner verlagerte das Spielfeld in Maxis Bretthälfte, langsam wurden Felder Mangelware. Was ein Drama in Magdeburg! Als der schwarze gegnerische Bauer auf e2 auftauchte, wurde langsam klar, dass Matteos Partie über den Ausgang des Mannschaftskampfes entscheiden würde. Maxi musste leider nach knapp 5-stündigem Kampf die Partie verloren geben. Damit kam es auf Matteo an, ein Sieg hätte das Mannschaftsremis bedeutet! Matteo hatte zwei verbundene Bauern, doch die Stellung war Remis. Egal, weiter spielen. Der Gegner muss ja auch die richtigen Züge finden...und das tat er nicht! Matteo konnte seinen König an die Bauern heranführen, doch jetzt war guter Rat teuer. Wie weiterspielen? Matteo entschied sich für eine Abwicklung, die zu einem Endspiel König und Bauer gegen König führte. Leider hatte sich Matteo wohl verrechnet, denn der gegnerische König kontrollierte das Umwandlungsfeld. Nach über fünf Stunden und einem hart ausgefochtenem Kampf gingen wir leider ohne Mannschaftspunkt zurück in die Jugendherberge. Aber unsere Leistung hätte das Mannschaftsremis verdient gehabt. Davon kaufen konnten wir uns leider nichts, aber es war ohnehin keine Zeit, um zurückzuschauen. In weniger als einer Stunde stand schon die nächste Runde an. Also schnell Mittagessen, dann noch ein kurzes Briefing und dann ging es auch schon wieder zurück ans Brett. Hier das Drama der dritten Runde im Liveticker zum Nachlesen.

Ohne Pause in die nächste Runde

Die Auslosung hatte uns den SC Vaterstetten beschert, rein von den DWZ-Punkten her eine machbare Aufgabe. Aber mit nur wenig Zeit, um mal zwischen den Runden runterzukommen, waren wir uns nicht ganz sicher, wie die Leistung am Brett aussehen würde. An den hinteren Brettern rechneten wir fest mit zwei Punkten, vorne wären wir auch mit Remis zufrieden gewesen. Alles lief nach Plan: Tillmann fing nach wenigen Zügen die gegnerische Dame ein, das war der erste Punkt. Hao spielte am vierten Brett seinen Gegner völlig an die Wand, er gewann die Dame und hatte trotzdem einen tödlichen Mattangriff am Start. Das sah nach einem schnellen 2-0 und entspannten Sieg aus. Doch dann begann das Dramas nächster Akt: Aus purer Verzweiflung griff der Gegner relativ plump Haos Dame an. Was dann passierte, konnte sich niemand erklären. Hao ließ die Dame einfach stehen und zog den Läufer. Im Nachhinein erklärte er, er dachte es sei ein Doppelschach. Da ging der Puls bei allen Trierer Zuschauern rapide in die Höhe. Jetzt hatte Hao anstatt einer gewonnen Partie eine verlorene, denn er stand mit einer Figur weniger da. Es kam also auf unsere "M&M's" an den ersten beiden Brettern an: Maxi Felten und Matteo Metzdorf. 
Beide standen in ausgeglichener Stellung, Matteo etwas besser, Maxi etwas passiver. Maxis Gegner bot remis, Maxi fühlte sich gut und wollte weiter spielen. Ein paar Züge später nahm er das erneute Remisangebot dann doch an. Damit 1,5 - 0,5 aber Haos Gegner hatte einen Läufer mehr. Es stand und fiel also alles mit Matteos Partie - oder?! Denn mitten hinein in die heiße Phase von Matteos Partie kam der der erneute Paukenschlag vom vierten Brett: Hao gewinnt!! Es ist eines der größeren Rätsel dieser Deutschen Vereinsmeisterschaft, was in dieser Partie passiert ist. Irgendwie gelangte er mit seinem Turm in die gegnerische Stellung und setzte Grundreihenmatt. Dem gesamten Trierer Team ist mindestens die Zugspitze an Last von den Schultern gefallen. Denn damit war der Sieg sicher, die 2,5 Punkte waren eingefahren. Matteo konnte befreit aufspielen und das tat er dann noch für eine ganze Weile. Bis sein Gegner ein Dauerschach fand, das die Partie beendete. Endstand: 3-1. Nach vier Runden haben wir drei Siege und eine superknappe Niederlage gegen die "Übermannschaft" Hamburger SK. Alles in allem deutlich über den Erwartungen. Morgen geht es in der fünften Runde gegen die Schachzwerge Magdeburg, die an 2 gesetzt sind. Nach Hamburg also der nächste schwere Brocken, der uns erwartet. Trotz der Niederlage sind wir auf dem zweiten Platz und mehr als zufrieden. Wie immer könnt ihr morgen im Liveticker auf unserer Facebook-Seite mitfiebern. Dort findet ihr auch den Liveticker der vierten Runde zum Nachlesen.

Hier findet ihr den Bericht über den ersten Tag, an mit 2/2 durchgestartet sind.

Alle Infos über das Turnier gibt es auf der Seite der Deutschen Schachjugend.