Klappe die Zweite: DVM U12
Nervenaufreibender zweiter Tag


Der Mittwoch nach den Weihnachtsfeiertagen, normalerweise ein Tag, an dem sich Kinder erst um die Mittagszeit langsam aus den Federn quälen. Denkste! 9 Uhr morgens und eine Horde Unterstufenschüler hat sich in einem Magdeburger Hotel versammelt, um was zu tun? In den Schulferien?! Schach zu spielen. Dank der Deutschen Vereinsmeisterschaft in einer der faszinierendsten Sportarten.

Gut gestartet...

...knapp wurde es trotzdem gegen die Schachzwerge Magdeburg. Also nicht bei Tillmann. Der bekam nämlich das serviert, was jeder Schachspieler liebt: Die vorbereitete Eröffnungsvariante. Zum Punktgewinn „ausvorbereitet“. So hätte es weitergehen können, an den anderen Brettern musste aber mehr Gehirnschmalz am Brett gelassen werden. Maxi an Brett 3 kam gut aus der Eröffnung, dann gab es aber ein Déjà-vu: Qualität verloren und am Ende entschied besagte Qualität verbunden mit einer schwachen Königsstellung die Partie - Eins zu Eins, der Ausgleichstreffer. Und der Druck der Heimmannschaft nahm zu. Luca an Brett 4 kam gegen seine Gegnerin solide aus der Eröffnung, dann braute sich aber was zusammen. Nämlich ein sehr starker Mattangriff, abgewehrt durch ein Bauernopfer. Und dann ein Springeropfer. Das war dann zu viel, nach langem Kampf bis zum bitteren Ende musste Luca die Segel streichen. Damit blieb noch einer übrig, den entscheidenden Punkt zum 2-2 Ausgleich zu machen: Matteo Metzdorf an Brett 2 mit Schwarz gegen Fabian Eschner. Nach der Eröffnung konstatierte Teambetreuer Wolfgang Langer noch: „Matteo sieht auch happy aus“, der Start in die Partie war geglückt. Dann drehte sich der Wind, der schwache e6 Bauer wurde gekidnappt und die Stellung sah nicht gut aus. Matteo schien die Stellung ausgeglichen zu haben, als sich beobachtender Betreuer und Spieler gleichermaßen verguckten: „Leider gab es in der Variante einen verdammten Zwischenzug. Der Gegner hat ihn gefunden. Matteo musste eine Qualität geben. Hat den Bauern zurückbekommen. Aber die Stellung ist nicht mehr schön. Und die Chancen auf Gewinn zu spielen tendieren gen 0.“ Doch wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her. Das Endspiel sah für Matteo nicht gut aus, ganz besonders nicht, wenn man auf Gewinn spielen muss: Springer, Turm und fünf Bauern gegen zwei Türme und fünf Bauern. Der Gegner war zwar in Zeitnot, aber der 40 Zug nahte mit 15 Bonusminuten - nicht zu vergessen der Zeitzuschlag von 30 Sekunden pro ausgeführtem Zug. Dann elektrisierte eine Meldung die von Zuhause Mitfiebernden:

„12:08 Uhr: Matteo gewonnen“ blinkte die lapidare Meldung auf den Handydisplays auf. Drei Minuten später dann etwas euphorischer „Wir feiern grade die 2-2 Party und Matteo. Megaglück. Aber genau das brauchten wir jetzt einfach mal.“

Puh, das war nicht nur für die Eltern vor Ort nervenaufreibend, sondern für jeden, der via WhatsApp oder Facebook mitfieberte. Nach einer Essens- und Vorbereitungspause startete am Nachmittag dann die vierte Runde.
 
Spannung ist gar kein Ausdruck

Nach den Schachzwergen stand nun die SG KK Hohentübing auf dem Speiseplan. Und es wurde ein Match, das allen den Atem raubte. Tillmann an Brett 1 kam angriffslustig aus den Startlöchern, den f-Bauern gab er gerne für starken Angriff auf den zentralen gegnerischen König. Am zweiten Brett setzte Matteo seine Bauern am Damenflügel in Bewegung, sein Gegner hielt mit einer Attacke im Zentrum dagegen. Maxi konnte sich nach der Eröffnung einen Bauern seines Gegners schnappen und bei Luca stand zwar eine wilde Stellung auf dem Brett, er landete aber mit Mehrbauer im Schwerfigurenendspiel. Aus eins mach zwei und kurz nach dem zweiten Mehrbauern konnte Luca den Spielstand auf 1-0 drehen. Es sah gut aus an den anderen Brettern, Maxi konnte den Mehrbauern in eine Qualität umwandeln, das sollte doch ein Mannschaftserfolg werden, oder? Es ging Schlag auf Schlag: Tillmann gab eine Figur für drei Bauern und schien zum finalen Angriff anzusetzen, doch dann Schockzustand im Trierer Team - Matteo hatte eine Figur weggestellt und Tillmanns Opfer schien nicht zu funktionieren! Auf einmal wurde es dann an allen Brettern wild, von 1-3 bis 4-0 war alles drin. Maxi verlor einen Springer, konnte die Partie aber doch noch in den Remishafen retten, während Matteo die Segel streichen musste. Es kam also auf das Brett 1 an. In einem leergefegten Hotelsaal in Magdeburg kämpfte ein Trierer um den entscheidenden Punkt, während alle anderen Partien schon lange beendet waren. Das sollte doch belohnt werden, oder? Nein! Tillmann verlor, 1,5 zu 2,5 Niederlage. Sehr unglücklich, alle waren sehr geknickt.
 
Weiter, weiter, immer weiter!

Doch es muss ja trotzdem weitergehen, eine Nacht drüber schlafen und Kräftesammeln ist angesagt. Morgen früh geht es dann in der 5. Runde gegen den SV Empor Berlin, wo die SG Trier sich zum ersten Mal als Favorit ans Brett begeben wird.