Spannung bis zum Gehtnichtmehr! 
Toller Abschluss eines tollen Jahres: Rang 12 für die SG



Mit ein wenig Glück wäre mehr drinnen gewesen, nach den ersten beiden Tagen. 3-5 Mannschaftspunkte und Platz 10 standen zu Buche, beide Partien am zweiten Tag hätten auch für Trier ausgehen können. Lamentieren hilft aber bekanntlich nichts, daher: Einmal schütteln, schlafen und dann mit frischer Kraft in den letzten drei Runden noch einmal alles versuchen.
 
Zum ersten Mal Favorit

Gegen Empor Berlin kam es ganz ungewohnt: Mit Blick auf die Ratingzahlen waren unsere vier Jungs Favorit und alle kamen gut aus der Eröffnung. Tillmann konnte mit Schwarz am ersten Brett viel tauschen, Luca stand in der Italienischen Eröffnung sehr vernünftig und an den Mittelbrettern waren Matteo und Maxi noch voll in der Theorie. Dann ging es in die Vollen: Tillmanns Gegner preschte getreu dem Motto „Alles oder Nichts“ vor, bei beidseitiger langer Rochade kam der Bauernsturm. An Brett 2 und 3 kamen wir in positionelle Nachteile, dafür stand Luca mit viel Raum sehr aktiv.
Manchmal zahlt sich Risiko aus, Tillmann konnte die gegnerischen Aggressionen eher schlecht als recht parieren. Schwerfigurenendspiel mit zwei Bauern weniger war die logische Folge. Matteo sollte es richten, volles Brett in französischer Vorstoßstruktur - und in solchen Stellungen fühlt er sich einfach wohl. Tillmanns wenig aussichtsreicher Stellung geschuldet wurde an Brett 3 Remis abgelehnt, die größten Hoffnungen setzten die Betreuer in Lucas Stellung: Ein sehr aussichtsreiches Schwerfigurenendspiel. Wie so oft drehte sich dann fast parallel der Wind in einigen Stellungen. Zuerst sehr erfreulich Lucas Sieg. Dann sah es an Brett 1 auf einmal schwer nach Remis aus, der Gegner hatte in ein schlechtes Bauernendspiel abgewickelt. Dann verlor Maxi - der eben noch Remis ablehnen musste - zwei Bauern und das auch noch in einem Springerendspiele, das sah schlecht aus. Ergo der 1-1 Ausgleich. Matteo konnte seine Stellung nicht in den Vollen umwandeln, 1,5-1,5. Blieb noch Tillmann (auch liebevoll „Tilli“ genannt), der wie schon in der Runde zuvor der letzte noch spielende Trierer war. Der Kommentar unseres Jugendwarts Wolfgang Langer vor Ort: „Tillis Gegner zeigt noch ein paar Ideen. Tillmann muss aufpassen und gut rechnen.“
Doch die strapaziösen Partien machten sich anscheinend bemerkbar, irgendwann konnte er dem Druck nicht mehr ganz standhalten, griff fehl und damit stand eine erneut denkbar knappe Niederlage.
 
Der Optimismus kehrt zurück

Schlag auf Schlag ging es weiter, kaum drei Stunden später stand das nächste Match an. Gegner in der 6. Runde war Bebenhausen, die mit 4-6 Mannschaftspunkten knapp vor uns lagen. Doch der Blick sollte sowieso nach vorne gehen, der Matchplan à la Wolfgang Langer:

„Max hat einen Gegner mit positivem Lauf. Da wir Max‘ Negativlauf stoppen wollen, hat er freie Partie von mir bekommen. D. h. er darf ausnahmsweise frühe Remis machen. Alte russische Schachschule: Nach zwei Niederlagen erstmal einen halben mitholen. Der Rest soll auf Sieg spielen. [...] Brett 2 scheint zu schwer für ihn [Matteos Gegner Benedikt Marx, DWZ 1289] zu sein. Und Luca ist gut drauf. Tillmann ist heiß nach heute morgen. Der Optimismus kehrt langsam zurück.“

Und der Plan schien aufzugehen: Luca mit Turm mehr glasklar am gewinnen, Matteo mit Qualität mehr super gestartet und Maxi hatte ein besseres Bauernendspiel auf dem Brett - der Gegner hatte zuvor das Remisangebot abgelehnt. 1-0 dank Luca, Tillmann verteidigte sich in einer komplexen Stellung für sein Alter extrem abgebrüht. Maxis Gegner musste dann einsehen, dass nichts zu holen war, Remis und 1,5-0,5. Und dann, als an Brett 1 die Partie schon vollkommen gedreht schien, der Schock: Ganz plötzlich im Turmendspiel verloren, der Ausgleich. Es kam dieses Mal also auf Matteo an. Und er lieferte! Um 19:14 Uhr die erlösende Nachricht: „Matteo gewonnen.“
 
Das letzte Gefecht

Brettmeister! Die klasse Leistung von Luca (3. v. r.) wird mit dem Pokal belohnt!
Besondere Ehre für unseren Brettmeister Luca (3.v.l.)! 
Vierter Wettkampftag, 9 Uhr morgens. Auch wenn der Sieger schon vor der letzten Runde feststand (Glückwunsch an die BSG Grün-Weiß Leipzig zum ungeschlagenen Titelgewinn), es ging noch um viel: Ein Sieg für eine ausgeglichene Bilanz und ein sehr versöhnliches Ende des Abenteuers, das wär‘ doch was! Mit einem hohen Sieg und den richtigen Ergebnissen der Konkurrenz war sogar ein Top Ten Platz noch in Reichweite. Gegner war Gräfenhainichen, die mit einer Bilanz von 4-8 Mannschaftspunkten einen Punkt hinter uns lagen. Aber auch in die andere Richtung war es eng, die Magdeburger auf dem 6. Platz hatten auch nur einen Mannschaftssieg mehr auf dem Konto. Also Blick nach vorne und ab ins Getümmel! Das Remis in der vergangenen Runde schien Maxi angestachelt zu haben, Gnade wurde vom Start an nicht gewährt - Bauer und Qualität gewonnen, der Sieg nur noch eine Frage der Zeit. Tillmann und Luca hatten das Fadenkreuz auf den gegnerischen Monarchen gerichtet, Matteo leicht in Bedrängnis. Zuversicht trotzdem im Tross, mutig wurde auf ein 4-0 gesetzt. Dann die Überraschung: Matteo gab eine Qualität, um den gegnerischen Angriff abzuwehren und das völlig zurecht. Er gewann zwei Bauern im Austausch und Kontrolle über die Stellung. Dann der Schock: Tillmann verrechnete sich im Mattangriff, opferte einen Springer. Leider kein gutes Opfer, das Matt nur eine Fata Morgana. Dann das Pokern: Matteo und Luca lehnten Remisangebote ab, die Brettpunkte würden entscheidend werden! Und völlig zu Recht wurde abgelehnt, denn Matteo gewann die Qualität zurück und hatte somit zwei gesunde Mehrbauern!
Kurz darauf krönte Luca seine überragende Form, 2-0. Am Ende standen 5,5 Punkte für ihn zu Buche - Brettmeister auf der Deutschen Vereinsmeisterschaft! Ein wahnsinniger Abschluss eines tollen Schachjahres für ihn! Doch zurück zu den anderen drei Partien: Matteo hatte seinen Gegner in der Ecke, Damenverlust oder Matt, die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ergo kurz darauf 3-0. Tillmann sollte im Idealfall noch für das 4-0 sorgen, am Ende stand dann aber doch der 3-1 Sieg.
 
Unterm Strich

Das Zittern begann dann nach Ende der letzten Partie, welcher Platz würde es werden? SG Trier: 7-7. Schachzwerge Magdeburg: 7-7. SG Trier: 15 Brettpunkte. Schachzwerge Magdeburg: 15,5 Brettpunkte. Ein halber Brettpunkt gab nach 7 Runden den Ausschlag, unsere Jungs fanden sich am Ende auf dem 12. Platz wieder! Ein super Ende einer langen Reise! Und es war (gewohnt) wahnsinnig knapp - nur ein Mannschaftspunkt fehlte zum 5. Platz.
Tillmann, Matteo, Maxi, Luca und Peter, ihr habt das von der Rheinland-Meisterschaft an wirklich so gemacht, wie es sich niemand besser vorstellen konnte. Nicht nur am Schachbrett erfolgreich, sondern auch abseits davon immer gut gelaunt. Die SG Trier wurde spitzenmäßig von euch repräsentiert, jetzt genießt die wenigen freien Tage vor der Rheinland-Einzelmeisterschaft.
Ein riesiges Danke geht an die beiden Betreuer: Jugendspieler Elias Roos opferte seine Schulferien für die Vor- und Nachbereitung der Partien und unser Jugendwart Wolfgang Langer organisierte und betreute die sechsmonatige Reise vom 4. Juni (den Rheinland-Mannschaftsmeisterschaften) an auf gewohnt souveräne Art und Weise. Ihm gebühren auch die letzten Worte: „Vielen Dank auch meinerseits an die betreuenden Eltern. Hatte noch nie einen so leichten Job wie dieses Mal. Und vielen Dank an Elias, der unser Team sehr bereichert hat. Wir wollen dich auf jeden Fall nächstes Jahr wieder dabei haben. Und vielen Dank an alle, die von daheim aus mitgefiebert haben.“

Endtabelle
Runden 1-7
Teilnehmerliste
Bericht Tag 1
Bericht Tag 2
Facebook-Liveticker
 

 

Spitzen-Denker: Tillmann, Matteo, Maxi und Luca (v.l.n.r.) mit dem 12. Platz auf der Deutschen Vereinsmeisterschaft!
Spitzen-Denker: Tillmann Marschall, Matteo Metzdorf, Maximilian Felten und Luca Kirschweng (v.l.n.r.) mit dem 12. Platz auf der Deutschen Vereinsmeisterschaft!