Einzelmeisterschaft der Schachjugend Rheinland

Goldener Jahresbeginn/ Titel in U10 bis U18

 
Es geht wieder los! Am zweiten Tag des grade angebrochenen Jahres machten sich fünf Spielerinnen und Spieler der SG Trier auf nach Oberwesel, zu den Einzelmeisterschaften der Schachjugend Rheinland.
In der U18w war Lena Arndt als eine von zwei Teilnehmerinnen dabei und stritt sich mit Sabrina Ley (SV Turm Lahnstein) um den Titel als beste U18-Schachspielerin des Rheinlands. Matteo Metzdorf trat ebenfalls in der U18 an - genau, derselbe Matteo, der vor wenigen Tagen noch unsere Farben auf der Deutschen Vereinsmeisterschaft vertreten hatte! Eigentlich ist er U10 und hat einen Freiplatz für die Rheinland-Pfalz-Meisterschaft bekommen, aber zu Trainingszwecken kann man ja mal bei den Großen mitmischen.
In der U16 waren wir zahlenmäßig am stärksten vertreten, gleich drei unserer Nachwuchshoffnungen gingen hier an den Start: Turnierfavorit war Elias Roos, Sören Rauch ging als drittstärkster Spieler an den Start und als Dritter im Bunde machte sich David Tokarz Hoffnungen auf die Qualifikation zur nächsten Meisterschaft.
In der U14 stellten wir genauso wie in der U10 keinen Teilnehmer, hier mussten wir uns beim Projekt Titelgewinn auf die Nachbarn aus Konz verlassen.
Emily Nwatu war unser Eisen im Feuer der U12w, hier waren mit sehr erfreulichen sieben Teilnehmerinnen die meisten Mädchen unterwegs.

Volle Hütte bei der Einzelmeisterschaft der Schachjugend Rheinland
Volle Hütte bei der Einzelmeisterschaft der Schachjugend Rheinland
Erster Tag: Guter Start

Am ersten Wettkampftag stand nach der Anreise nur eine Runde an, Lena konnte um 14 Uhr trotzdem auf dem Zimmer bleiben: spielfrei. Matteo startete dagegen direkt voll ins Turnier, ihm stand die nach DWZ zweitstärkste Herausforderung gegenüber - Sabrina Ley (1750) hatte auch bei den Rheinland-Einzelmeisterschaften im vergangenen Jahr in Trier eine gute Figur abgegeben. Nach vier Stunden Spielzeit musste sich Matteo leider geschlagen geben, tapfer gekämpft hat er (wie üblich) dennoch.
In der ersten Runde der U16 pflügten unsere Teilnehmer durch das Feld, alle drei fuhren Favoritensiege ein.


Zweiter Tag: Tag der Teamduelle

Mit zwei Runden ging es dann am Dienstag weiter und Losglück hatten wir wahrlich nicht: Lena musste es mit dem stärksten Spieler des Turniers, Tim Ronge (2058) aufnehmen. Erwartungsgemäß konnte sie hier ihren zweiten Punkt nicht holen. Matteo hatte mit Marc Brodam (1673) zwar eine etwas leichtere Aufgabe als noch am Vortag, aber wirklich einfach war auch diese Runde nicht. Leider stand auch hier die 0 nach Partieende für den SG-Spieler.
In der U16 hatte die Losfee (bzw. das Schweizer System) ebenfalls keine Nachsicht, am ersten Brett kam es zum teaminternen Duell: David gegen Elias. Letzterer bestätigte seine Topplatzierung mit einem Sieg, auch Sören konnte gegen den Mörsdorfer Johannes Vogt den vollen Punkt einfahren.
In der zweiten Runde des Tages hatte Lena dann mit Martin Storz (1406) einen Gegner in Reichweite vor der Brust und Lena zeigte, dass Zahlen manchmal doch nur Zahlen sind: 1186 gegen 1406 DWZ, klarer Sieger - Lenas 1186 DWZ! Matteo durfte sich erholen, die Schachgöttin Caissa bescherte ihm einen spielfreien Nachmittag.
Irgendwie war heute der Tag der Teamduelle - 3. Runde U16, Brett 1: Elias Roos gegen Sören Rauch. Elias zeigte, wer der Kopf des Trierer Triumvirats war und setzte sich an diesem Tag gegen seine beiden Vereins- und Trainingskameraden durch. Für David ging der Tag leider mit dem Status „Doppelnull“ zu Ende, Fabio Michels war eine Nummer zu groß. Zur Halbzeit hätte es besser aussehen können, Elias lag zwar ungeschlagen mit einem halben Punkt Vorsprung ganz vorne, Sören (2/3) und noch mehr David (1/3) mussten aber in der zweiten Turnierhälfte Gas geben.

Dritter Tag: Die „Kleinen“ sind da

Endlich war es soweit: Auch die U12 und U10 starteten. Die „Kleinen“ hatten ein straffes Programm: Drei Runden am Mittwoch, zwei Runden und die Blitzmeisterschaft am Tag darauf und am letzten Turniertag noch einmal zwei Partien vor der Siegerehrung. Besonders der Start in den Wettkampf war für Emily in der U12w also wichtig und es ging eher so lala los: In der ersten Runde ein ungefährdeter Pflichtsieg, in der zweiten Runde gab es gegen „Angstgegnerin“ Luna Schilz (Konz) aber einen Dämpfer. Die dritte Partie des Tages gab ihr aber noch die Möglichkeit, mit 50% oder mehr in das Turnier zu starten: Es ging gegen Philipp Loor, einen eigentlich schlagbaren Gegner. Leider verzettelte sich Emily und so stand bei ihr am Ende des ersten Tages leider nur ein Punkt aus drei Partien.
Erfolgreicher gestaltete sich der Tag für die anderen SG’ler: Elias zog der Konkurrenz immer weiter davon, mit seinem Sieg gegen den ärgsten Verfolger konnte er seinen Vorsprung auf einen ganzen Punkt ausbauen. Auch David und Sören gaben sich gegen die einzigen beiden Mädchen in der Konkurrenz keine Blöße, die Tripel-1 stand. Die Daumenschrauben wurden sogar noch fester angezogen, Elias remisierte zwar gegen den an 2 gesetzten Nikita Kirsch, hatte aber immer noch einen halben Punkt Vorsprung und damit alles in der eigenen Hand. Sören und David marschierten weiter im Gleichschritt und hatten ihren „Groove“ gefunden, mit 5,5/6 hätte der Tag für die drei Jungs kaum erfolgreicher laufen können.
Da wollten sich auch Lena und Matteo nicht lumpen lassen und starteten ebenfalls erfolgreich in den Tag: Lena remisierte gegen den an 3. Position gesetzten Yannick Breuer (1741), ein dickes Ausrufezeichen! Matteo sammelte derweil seinen ersten Punkt nach dem spielfrei-Los ein, Jonas Naumann war nur körperlich eine Nummer größer, am Schachbrett ließ der „Kleine“ die Figuren nach seinem Gusto tanzen. In der fünften Runde bekam es Yannick Breuer dann mit dem nächsten SG-Teilnehmer zu tun, wiederum musste er einen halben Punkt abgeben. Da sind wir wohl kein gutes Pflaster! Caissa war Lena bei der Auslosung aber wiederum nicht wohlgesonnen, sie wurde gegen den Bitburger Florian Kappelmann (1724) gelost und dieser konnte seine Favoritenrolle untermauern. Mit jeweils 2,5/5 lagen Lena und Matteo aber gut im Rennen und da auch Sabrina Ley nur 2,5 Punkte eingesammelt hatte, kam es am nächsten Tag zum wohl vorentscheidenden Duell um die Krone des Mädchenschachs.

Vierter Tag: Vorentscheidungen und Blitz-Blitz-Hurra

Denn in der einzigen Runde des Tages stand das Duell der Zimmergenossinnen an, die beiden einzigen Teilnehmerinnen in der U18 standen sich im direkten Duell gegenüber. Lena hatte sich extra von Elias vorbereiten lassen und das schien Früchte zu tragen: Die Eröffnung sah gut aus, danach kippte die Partie aber Zug um Zug in Richtung der Lahnsteinerin. Am Ende war diese dann doch die stärkere Spielerin und konnte sich verdientermaßen durchsetzen. Matteo holte jedoch den ganzen Punkt und stand damit bei der fabelhaften Ausbeute von 3,5/6! Randnotiz: Mit seinem sechsten Sieg sicherte sich Tim Ronge schon vor der letzten Runde den Titel des Rheinlandmeisters U18, gegen ihn war kein Gras gewachsen, Glückwunsch nach Heimbach-Weis!
Doch nicht nur in der U18w war an diesem Tag die Vorentscheidung gefallen, mit einem Sieg konnte Elias mindestens den zweiten Platz sichern. Kein Problem, Schwarzsieg gegen Paul Plum (Koblenz) und er ging mit 5,5/6 aus dem Spielsaal. Für David und Sören standen wegweisende Partien an, Sören lag mit 4 Punkten auf dem zweiten Rang und bekam es mit dem 1700er Nikita Kirsch zu tun, der ihm an den Fersen klebte. Nach dem Friedensschluss mit der Punkteteilung lag Sören mit 4,5 Punkten einen Punkt hinter Elias - der Titel würde auf jeden Fall an einen der beiden Trierer gehen! David musste aus den beiden ausstehenden Runden mindestens 1,5 Punkte mitnehmen, um eine realistische Chance auf die Qualifikation zu haben. Den Grundstein legte er schon: Sieg gegen Marcel Böttcher und damit 4/6!
Emily in der U12w konnte nach dem durchwachsenen Start ihr Punktekonto aufbessern, mit 2/2 blieb sie an diesem Tag perfekt.
Nachmittags stand die Blitzmeisterschaft an, hier gibt’s den Bericht. Die Kurzfassung: U10 Gold, U12 Gold, U12w Gold, U16 Silber und Bronze, U18w Silber.

Fünfter Tag: Tag der Entscheidung

Die letzten Kraftreserven mobilisiert und los geht’s! Der letzte Tag barg noch viele Szenarien, außer dem U16-Titel für einen Trierer und dem Triumph von Tim Ronge in der U18 war noch nichts in trockenen Tüchern. Elias hatte es in der eigenen Hand, mindestens ein Remis musste gegen seinen letzten Gegner, Johannes Vogt her. Bei einer eigenen Niederlage und einem Sieg von Sören wären die beiden punktgleich gewesen und gemäß der Turnierordnung der Schachjugend Rheinland hätte der erste Platz ausgeblitzt werden müssen. Elias hatte sowas von keine Lust auf irgendwelche Rechenspielchen, vom Start weg dominierte er. Alles sah nach einem vollen Punkt aus, doch dann...verrechnete er sich? Dachte er zumindest und bot schnell Remis an. Der Gegner ergriff die Hand, Punkteteilung. Damit war es offiziell: Elias geht als Rheinlandeinzelmeister der U16 nach Hause. Glückwunsch! Doch was war mit unseren anderen beiden, die auch die Quali und am besten noch einen Podiumsplatz erreichen wollten? Sie wurden - wie hätte es auch anders sein können - gegeneinander gelost. Das undankbarste Szenario: Sören musste mindestens remisieren - eher gewinnen - um den zweiten Platz abzusichern und David musste gewinnen, um seine Quali-Chancen aufrechtzuerhalten. Dementsprechend viel musste David riskieren und das rächte sich: Sören konterte ihn aus, aus Vereinssicht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Elias und Sören sind das Siegerpärchen in der U16, für David wird es als Viertplatzierter aber ganz eng mit der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft. Trotzdem und das gilt für alle drei: Ihr habt ein tolles Turnier gespielt!
Matteos „Trainingslager“ nahm in der U18 ein passendes Ende: Tim Ronge war der Gegner in der letzten Runde, damit hat er gegen alle drei DWZ-stärksten Teilnehmer gespielt. Tim ließ sich seinen perfekten Score auch von Matteo nicht vermiesen und lief ungeschlagen über die Ziellinie. Matteo landete mit 3,5/7 auf einem tollen 8. Platz, nur einen Buchholz-Punkt hinter dem Sechstplatzierten. 1a! Lena hatte in der U18w noch eine Chance, den Titel des besten Mädchens zu erreichen: Sie musste gewinnen und Sabrina verlieren, damit bei Punktegleichheit dann wieder die Blitzregel greifen würde. Also alles versucht, doch leider wurde es nix: Lena verlor die Partie am Ende, selbst ein Sieg hätte aber nicht gereicht, da Sabrina mit einem Remis ihren Titel absicherte. Lena landete somit in der U18 auf dem 11. Rang, sie zeigte aber starke Partien. Das sollte sich auch bald in ihrer DWZ zeigen.
Das Drama zum Schluß: Emily in der U12w. Unser Jugendleiter hat wohl ein paar graue Haare mehr, denn „Drama“ ist eigentlich noch viel zu harmlos. Nach 5 Runden hatte ein Mädchen vier Punkte auf dem Konto, drei Mädchen hatten drei Punkte, eine 2,5 Punkte, eine 1 Punkt und eine war noch punktelos. Also alles ganz eng beieinander, der letzte Tag brachte die Entscheidung. In der sechsten Runde lief alles nach Plan, Emily hatte eine Qualität mehr und war drauf und dran die Partie zu gewinnen. Bis...nunja, der Klassiker: Dame eingestellt. Sie spielte dann zwar noch weiter, möglich war aber nichts mehr. Alles vorbei? Mitnichten. Denn da auch die Konkurrentinnen reihenweise patzten, hatte sich nichts geändert! Ein Sieg musste her! Zum Leidwesen der Beobachter entstand aber eine wilde Stellung, in der sie tendenziell schlechter stand. Und irgendwie war für die Blitzmeisterin der Wurm drin, mit 3/7 beendete sie das Turnier auf dem fünften Platz in der Mädchenwertung. Gesamtsieger der U12 wurde nach Stichkampf Ricardo Mailitis (Koblenz) vor Moritz Klein (Heimbach-Weis), beide hatten sechs Punkte einstreichen können.

Alle Trierer auf einen Blick: Matteo, Emily, Lena, Elias, Sören (v.l.n.r.)
Ein schöner Anblick: Matteo, Emily, Lena, Elias, Sören und David (v.l.n.r.) waren unsere Rheinland-Reisenden


Überblick und Ausblick

Zum Abschluss der Überblick über die Altersklassen ohne Trierer Beteiligung. In der U14 war vor der letzten Runde noch das (Alb)Traum-Szenario denkbar: Fünf Spieler hätten punktgleich auf dem ersten Platz landen können! Den Organisatoren blieb ein Fünfer-Blitzentscheid aber erspart, nur zwei Konzer lagen nach sieben Runden gleichauf: Luis Haller gegen Maurizio Gatkewicz, Sieger: Maurizio. Sophie Biermann landete auf dem dritten Platz, das „Konzer Treppchen“ war perfekt. Glückwunsch an die Nachbarn! In der U10 setzte sich David Meurer (Lahnstein) mit 6,5/7 vor Maximilian Prizker (Schachakademie Trier) durch.
Das Fazit: In der U18 ging es für Lena und Matteo „nur“ um die eigene Leistung, beide dürften mit ihrem Abschneiden zufrieden sein, bei Lena wäre im Nachhinein wohl auch ein bisschen mehr drin gewesen - das sagt über die gezeigte Leistung der DWZ-schwächsten Teilnehmerin schon genug aus.
In der U16 lief es fast perfekt, wenn es neben Elias und Sören auch David auf die Rheinland-Pfalz schafft, war es eine wirklich perfekt gelaufene Meisterschaft.
Bei Emily wäre in der U12w mit einem Sieg mehr wohl die Qualifikation möglich gewesen, etwas schade, dass sie es nicht geschafft hat. Aber sie ist ja noch jung ;-)
Bei der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft werden noch einige Trierer dazustoßen, die einen Freiplatz zugesprochen bekommen haben. Matteo wird dann wohl wieder in seiner angestammten U10 antreten, Maxi Felten und Tillmann Marschall in der U12 die Qualifikation für die Deutsche angehen und Charlotte Sanati könnte in der U16w antreten.

Die Teilnehmerlisten, Ergebnisse, Paarungen und alles weitere gibt es auf der Homepage der Schachjugend-Rheinland.